Vor Ort Report: Mühlviertler Hopfengärten

Der Hopfen ist die Seele des Bieres, heißt es. Kurz vor Erntebeginn haben wir gemeinsam mit der Brau Union mehrere Hopfengärten im Mühlviertel besucht.

Ähnlich wie im Waldviertel und in der Südsteiermark hat der Hopfenanbau im oberösterreichischen Mühlviertel eine lange Tradition, die bis ins 13. Jahrhundert zurückreicht. Die klimatischen Bedingungen für den Anbau sind im Mühlviertel ideal: Denn der Hopfen, der weltweit ausschließlich zwischen dem 35. und 55. Breitengrad kultiviert werden kann, findet hier auf einer Seehöhe von 350 bis 650 Metern neben sandigen Lehmböden den perfekte Mix aus Sonne und Niederschlag, um üppig zu gedeihen. Während der Vegetationsphase können die Ranken täglich bis zu 35 cm wachsen und bis zur Ernte eine Höhe von 6 bis 8 m erreichen. Ab Ende Juni beginnt der Hopfen zu blühen und entwickelt danach aus den Blüten die sog. „Dolden“, aus denen schließlich das goldgelbe Lupulin gewonnen wird, das dem Bier sein besonderes Aroma und die typische Hopfenbittere verleiht. Zu einer Ausdoldung kommt es übrigens – wie in der Familie der Hanfgewächse üblich – nur bei den weiblichen Pflanzen, weshalb nur diese kultiviert werden.

Die klimatischen Bedingungen für den Hopfenanbau sind im Mühlviertel ideal.

 

Hopfenbaugenossenschaft

Unmittelbar nach der Ernte müssen die Hopfendolden möglichst schnell getrocknet und vor Sauerstoff geschützt gelagert werden, da sie sehr luft- und temperaturempfindlich sind. Der Großteil der Ernte wird daher zu Pellets oder Extrakt verarbeitet, ein geringer Teil wird als Naturhopfen verwendet. Gesammelt und anschließend an die Brauereien zur weiteren Verarbeitung verteilt werden die Hopfenpellets von der Hopfenbaugenossenschaft Neufelden, die insgesamt 42 Mitglieder vereint. „35 Mitglieder aus dem Mühl- und weitere 7 aus dem Waldviertel produzieren auf einer Fläche von ca. 160 ha zwischen 250 und 300 Tonnen Hopfen pro Jahr“, erklärt Sepp Reiter, Obmann der Genossenschaft und selbst Hopfenbauer. 

Sepp Reiter, Obmann der Hopfenbaugenossenschaft Neufelden, prüft vor der Ernte die Qualität des Mühlviertler Hopfens.

 

Die Sorte macht das Aroma

Rund drei Viertel des in der Region angebauten Hopfens entfallen auf Aromahopfen, der gegenüber dem Bitterhopfen einen geringeren Anteil an Bitterstoffen aufweist und jedem Bier seinen individuellen Charakter verleiht. Insgesamt 14 verschiedene Sorten werden von den Mitgliedern der Hopfenbaugenossenschaft Neufelden kultiviert, die Hauptsorte ist dabei „Perle“, gefolgt von „Malling“, einer alten Mühlviertler Sorte, die nur in der Region zu finden ist. Diese Sortenvielfalt macht das Bierbrauen besonders spannend, denn je nach verwendeter Sorte und Menge erhält jedes Bier seinen charakteristischen, hopfig-bitteren Geschmack und sein unverwechselbares Aroma. „Die Aromen und Bitterstoffe sind ganz entscheidend für den Geschmack und die Qualität des Bieres, und in unserem Mühlviertler Hopfen sind die Aromen perfekt ausgeprägt“, beschreibt Nikolaus Starlinger, der in Haslach an der Mühl auf 4,6 ha sechs verschiedene Hopfensorten anbaut – darunter neben „Perle“ auch die Sorten „Select“, „Saphir“, „Hersbrucker“, „Cascade“  und „Taurus“.
 

Nikolaus Starlinger bewirtschaftet in Haslach auf 4,6 ha Fläche sechs verschiedene Hopfensorten.

 

Österreichweit beziehen ca. 100 Brauereien den Hopfen aus dem Mühlviertel. Die Abnehmer sind sowohl Klein- als auch Großbrauereien, allen voran die Brau Union, die als größtes heimisches Brauunternehmen eine Vielzahl unterschiedlicher Biere anbietet und höchsten Wert auf vertrauensvolle Partnerschaften und die Qualität der Rohstoffe legt.

Veröffentlicht am

02.09.2019